Herzlich Willkommen auf meinem Blog!


Diese Seite soll mir helfen Euch meine Erfahrungen, meine Eindrücke und meinen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Bangladesch näher zu bringen.

Von September 2008 bis August 2009 arbeite ich zusammen mit NETZ Bangladesch bei der Entwicklungsorganisation Ashrai. In dieser Zeit bin ich in einem Grundbildungsprogramm in der Region um Joypurhat tätig.

Nähere Infos zu dem Projekt findet Ihr "hier".

Ich werde mich bemühen regelmäßig aus Bangladesch zu berichten. Ihr habt zu jedem Post die Möglichkeit Kommentare abzugegen. Solange nicht anders gewünscht, werde ich die Kommentare nach einer Prüfung meinerseits veröffentlichen. Gerne dürft Ihr mir auch auch E-Mails schreiben oder mich auf eine andere Weise kontaktieren.


Peter


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Freitag, 16. Januar 2009

Sommerfahrt

16.01.2009

"Es wird dunkel und wir kommen etwas erschöpft im Büro wieder an. Ein schöner Tag."

Es ist Freitag. Dementsprechend wird heute nicht gearbeitet. Wir haben frei. Mein Koch, einer der Angestellten und ich wollen eine Fahrradtour machen. Der Koch lädt uns zu sich nach Hause ein. Seine Familie stellt regionale Süßigkeiten her. Also zögern wir nicht lange und beschließen den Ausflug. Jeder bekommt ein Fahrrad und ich fahre nach einem halben Jahr endlich wieder mit dem Rad. Das Wetter könnte nicht besser sein. Die Sonne scheint, aber es ist angenehm kühl. Schnell verlassen wir die asphaltierte Hauptstraße und unser Weg führt uns über die vielen kleinen Pfade, die zwischen den Feldern verlaufen.

Nach knapp einer Stunde erreichen wir das Haus seiner Familie. Es besteht wie die umliegenden Bauten aus Lehm und Stroh. Er erzählt, wer alles in seiner Nachbarschaft wohnt und dass eigentlich alle irgendwie miteinander verwandt sind. Ein großer Teich findet sich hinter dem Haus und alles ist umringt von Bäumen. Eine Lehmmauer umschließt den Innenhof. Auf der Veranda steht sein Vater vor einer großen Pfanne. In der Pfanne schmoren einige frische Süßigkeiten, die in Deutschland eher süßem Gebäck gleichen als die uns bekannten Naschereien.

Von der Stadt sieht man nichts mehr. Alles ist umgeben von Feldern. Jeder geht gelassen seiner Arbeit nach. Das angenehme, schöne Wetter macht die Idylle perfekt. Wir bekommen Mittagessen und zum Nachtisch gibt es natürlich selbst gemachte Süßigkeiten. Wir dürfen uns noch ein wenig entspannen, bevor wir die 14 Kilometer zurück nach Joypurhat fahren.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Schönwald

09.12.2008

"Es beginnt zu dämmern. Die Männer mit den Gewehren sagen, wir müssen zurück. Weg vom Strand, zurück durch das exotische Waldstück Richtung Boot."

Endlich Frühstück. Wenn man schon um fünf Uhr morgens aufsteht, ist man spätestens um acht Uhr hungrig. Zum Glück hatten wir in der Zwischenzeit etwas zu tun. Zurück von den schmalen Kanälen mit dem kleinen Ruderboot. Still ist es hier. Nur morgens machen Vögel auf sich aufmerksam und flattern wild durch die vielen Bäume. Die Bäume, die Wurzeln sind an den Ufern oft komplett freigelegt. Seltsam zu betrachten, das Baumwerk von unten. Das Frühstück ist gut und die Mannschaft beginnt den Anker einzuholen. Das kleine Boot gleicht einer Nussschale und bietet uns auf Deck wenig Platz zum Essen und Trinken. Als wir fertig sind, wird alles abgeräumt und die beiden Tische wieder an die Reling geklappt.

Die Motoren werden angeworfen und wir schippern wieder los. Auf dem großen, braunen Fluss begegnen uns nur sehr wenige andere Boote. Zu beiden Ufern erstrecken sich die Mangrovenwälder. Die Sundarbans sind die größten weltweit. Ich stehe am Bug. Die Luft ist frisch, nicht verschmutzt und man kann mal wieder durchatmen. In einer kleinen Luke unter mir, steht der Steuermann. Sein Kopf guckt heraus und mit dem rechten Fuß bewegt er das Steuerruder. Unser Kurs führt uns südlich zur Bengalischen Bucht, dem offenen Meer, das Teil des Indischen Ozeans ist. Die Stunden vergehen. Das Motorgeräusch ist kaum noch wahrnehmbar. Nur das Schiff schwankt manchmal leicht hin und her. Ein ganzes Stück flussabwärts biegen wir in einen schmaleren Kanal ein. Kurze Zeit später wird das Schiff langsamer und der Anker wird ausgeworfen.

Es ist Mittag und das Essen kommt gerade recht. Während wir essen, beobachten wir, wie sich zwei Adler ihr Glück versuchen, auch etwas Essbares zu fangen. In einen weiten Sturzflug geht es immer wieder auf die Wasseroberfläche zu. Es platscht leicht und einer der beiden steigt mit einem Fisch in seinen Krallen wieder auf. Er verschwindet in den Ästen eines Baumes am Ufer. Der zweite Adler hat weniger Glück. Wir beobachten seine Versuche. Immer wieder stürzt er auf den Fluss zu und steigt in letzter Sekunde wieder auf. Immer wieder erfolglos. Nach gefühlten zwanzig Versuchen gibt er auf und fliegt über die Baumkronen weg in eine andere Richtung. Nach dem Essen geht es weiter. Wieder steigen wir um auf das kleine Ruderboot und paddeln ans Ufer.

Über einen kleinen Anleger mit Steg geht es an Land. Der Steg besteht aus verschiedenen Holzbrettern und sieht eher provisorisch aus. Diesmal begleiten uns zwei Sicherheitsmänner von der Waldpatrouille. Jeder von ihnen hält ein Gewehr in der Hand zum Schutz vor Tigern, die eventuell auftauchen. Ein Wachmann geht voraus, der andere hinterher. Angeführt von unserem Touristenführer bewegen wir uns immer landeinwärts.Über eine große Wiesenfläche geht es am Waldrand vorbei.

Rehe und Hirsche verstecken sich im Gras. Bunte Schmetterlinge flattern vor unseren Köpfen und setzen sich dann auf die Blüten von großen Blumen. Wir schlagen den Weg durch den Wald ein. Ein Trampelpfad schlängelt sich durch den Wald. Hohe Bäume mit Lianen bilden ein dichtes Gehölz. Der Boden verändert sich und Sand tritt an die Stelle der hellbraunen Erde. Wir kommen an den Rand des Waldes, der mit Palmen aufhört. Zwischen zwei großen Büschen betreten wir den Strand. Weit und breit keine Menschenseele. Die Bengalische Bucht, das offene Meer direkt vor uns.

Wir haben etwas Zeit für uns. Ich lasse meine Sandalen und die Umhängetasche am Treffpunkt. Die Hose wird hochgekrempelt und ich schlendere durch das Meer. Ich laufe die Küste entlang und entdecke mehrere Reihen von abgeholzten Bäumen. Allerdings war hierfür der letzte Sturm verantwortlich und kein Mensch. Das Wasser hat die Stämme abgeschliffen und über die Zeit haben sich rundherum kleine Pfützen gebildet. Krebse und andere kleine Lebewesen finden hier nun Platz. Ich bleibe stehen und genieße den Moment. Als ich mich umdrehe, sehe ich, wie einer unserer Sicherheitsmänner mich zu sich winkt. Ich folge seiner Geste und er zeigt mir, was er gerade entdeckt hat. Vor mir in Sand sind klar und deutlich große Abdrücke von Tigerpfoten zu sehen. Auch der andere Wachmann kommt und sieht sich die Spuren an. Beide beschließen, dass die Fußspuren noch frisch sind.

Wir verfolgen den Gang des Tigers. Sie führen unter den Stamm eines großen Baumes. Auf der anderen Seite finden wir sie wieder und können verfolgen, wie der Tiger um die Bäume geschlichen sein musste. Neben den großen Spuren tauchen nun auch kleine Abdrücke auf. Einige Meter weiter führen sie in den Wald. Auch die anderen konnten die Schnitzeljagd mitverfolgen. Es dämmert leicht und die Männer entscheiden, dass es besser ist umzukehren. Wir machen uns auf den Rückweg und lassen den bengalischen Königstiger hinter uns.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Wunderland

03.12.2008

"Dhaka von oben habe ich mir etwas anders vorgestellt. Aber es sind auch die kleinen Dinge, die mir Freude bereiten können."

Wir sitzen zu fünft in einem Taxi. „Geburtstag feiern“ steht auf dem Plan. Unser Weg führt uns nach Gulshan, das Botschaftsviertel Dhakas. Wo sonst sollte es einen Vergnügungspark geben? Als wir ankommen werden unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Wir kaufen fünf Tickets und gehen durch einen großen, bunten Bogen. Freizeitpark auf bengalisch. Bunt, schrill, leer und nach europäischen Maßstäben nicht zu messen. Die Anlage erinnert mich irgendwie an einen ähnlichen Park in der Nähe meiner Heimat. Dennoch, gleich links ein Kettenkarussell, weiter hinten ein Riesenrad, auf der linken Seite eine „Achterbahn“ mit Wasserbecken, rechts Autoscooter, in der einen Ecke ein kleiner Zoo und in der anderen ein 3D-Kino. Außerdem kleine Stände mit Zuckerwatte, Süßigkeiten, Chips und Getränken.

Wir gehen zu den Autoscootern. Fünf Minuten Fahrspaß ohne darauf achten zu müssen, ob irgendetwas kaputt geht. Über mir sprühen alle paar Meter Funken. Spätestens jetzt bin ich mir sicher, dass man auch bei meinem Fahrzeug nichts sonderlich zerstören kann. Die Zeit vergeht schneller als gedacht und wir müssen aussteigen. Jetzt erstmal Zuckerwatte. Die Maschine zur Herstellung sieht zwar schon etwas älter aus, aber die Zuckerwatte schmeckt und das ist die Hauptsache. Nächste Station Kaffeetassen. Zum Glück wird mir nicht so schnell schlecht. Doch nach der ersten Fahrt, muss ich auf eine zweite verzichten und mich erst einmal setzen. Etwas Ruhiges muss her.

Die anderen drängen auf die Achterbahn zu gehen. „Also Achterbahn.“, denke ich. Fünf oder sechs Stufen geht es ein Podest hoch. Wir bekommen Regenjacken, die leider schon nass sind. Ein Wagen in Form einer riesigen Ente macht die Achterbahn aus. Ich nehme in dem kleinen Wagen Platz. Ich muss meine Beine zur Seiten drehen, um überhaupt sitzen zu können. Es geht los. Mit wenig Schwung schaffen wir es gerade durch einen kleinen Tunnel. Auf der anderen Seite werden wir wieder hochgezogen. Oben angekommen geht es leicht bergab in eine Kurve. Nach der 180°-Kurve wird es steiler. Das Wasserbecken liegt vor uns. Es platscht. Wir stehen wieder und dürfen aussteigen. Dort wo vorher kein Regenmantel war, ist es jetzt nass.

Erstmal trocknen. Wir setzen uns an eine kleine Bude und trinken etwas. Das Kettenkarussell sieht nicht vertrauenswürdig aus. Bleibt also noch das Riesenrad. Das sieht zwar auch schon älter aus, ist aber zum Glück nicht so hoch und wesentlich langsamer. Spaß haben wir trotzdem.

Freitag, 31. Oktober 2008

Wurzelfahrt

31.10.2008

"Es wird langsam dunkel. Wir müssen uns beeilen. Der kleine Pfad ist von Bäumen umgeben und wir rasen über die holprigen Wurzeln."

Ich stehe auf. Es ist schon fast Nachmittag und nach einer kalten Dusche esse ich erst einmal zu Mittag. Als ich fertig bin, kommt ein Kollege in den Raum. „Auf geht’s!“ Ich überlege kurz, wohin wir wohl gehen. Mit der Tasche aus meinem Zimmer geht es erstmal nach draußen. Vor dem Büro warten bereits drei andere Mitarbeiter. Heute ist Freitag. Sie sitzen startklar auf dem Motorrad. Jetzt muss ich doch wissen, wohin es geht. „Alta Dikhi.“ Wo auch immer das sein mag. Ich gehe noch mal zurück und hole einen Helm.

Der Fahrtwind bläst unter dem Visier Luft in mein Gesicht. Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs. Die Straße wird immer schlechter. Große Schlaglöcher machen ein zügiges Vorrankommen unmöglich. Trotz der schlechten Straßenverhältnisse sind viele Leute unterwegs. Große Laster, einfache Rickshaws, Motorräder und Fußgänger verteilen sich über die Fahrbahnen, die nicht eingeteilt sind. Wir biegen ab. Aus dem asphaltierten Weg mit Löchern wird ein Pfad ohne irgendeine Behandlung. Die Löcher bleiben auch hier nicht aus. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Als Beifahrer nicht gerade angenehm, versuche ich mich auf die Landschaft zu konzentrieren. Die weiten Reisfelder. Die großen Bäume mit ihren Wurzeln, die überall wachsen. Der blaue Himmel und die Sonne, die ihr warmes Licht auf die Erde wirft.

Wir kommen in einen Wald. Die Wege werden enger. Vor uns tut sich ein See auf. Die Ruhe wird nur durch unsere Motorräder gestört. Jetzt erfahre ich, dass es sich um ein Naturschutzgebiet an der indischen Grenze handelt. „Gut, dass wir mit dem Motorrad den See umrunden.“, denke ich, als ich von dem Status des Gebietes erfahre. Wir halten an. In der Ferne sieht man den Zaun, den Indien gebaut hat, um illegale Einwanderer fernzuhalten. Ein Mann, den wir zufällig treffen, erwähnt einen Grenzstein in der Nähe. Mit einem Fuß in Indien machen die anderen Scherze, dass ich gleich verhaftet werde.

Es ist spät geworden und wir wollen das Büro nicht im Dunkeln erreichen. Die vielen kleinen Wege in den Wäldern bereiten uns Schwierigkeiten den Rückweg zu finden. Die Sonne geht unter.

Freitag, 24. Oktober 2008

Kinderpark

24.10.2008

"Alles dreht sich. Die aufkommende Übelkeit macht meinem Magen zu schaffen. Ich muss lachen und setze mich."

Es ist früher Nachmittag. Ich habe frei und zu dritt machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel ist zu Fuß erreichbar. Nach ein paar Minuten sind wir da. Ich kaufe drei Eintrittskarten und wir betreten den Park. „Shishu Uddan“ steht auf dem Ticket. „Shishu“ bedeutet Kinder.

Ein langer Weg führt uns an einem See vorbei. Auf der anderen Seite fahren Leute Tretboot. Angepflanzte Bäume schmücken den Park und Tierfiguren aus Plastik sind alle paar Meter aufgestellt. Es ist ruhig und wir spazieren eine Weile. Wir umrunden den See und durchlaufen einen Gang aus Kletterpflanzen. Uns kommen immer wieder Leute entgegen. Meisten Männer. Kinder habe ich bisher noch nicht gesehen und ich frage mich, warum der Park dann so heißt.

Ein zweiter See erstreckt sich vor uns. Der schmale Weg neben dem See ist auf der anderen Seite durch eine Mauer begrenzt. Die Bäume stehen hier nicht mehr in einer Reihe. Ich stolpere über eine der Wurzeln, kann mich aber fangen und falle nicht. Meine Kollegen amüsieren sich und machen Bilder.

Nach etwa 45 Minuten haben wir fast den ganzen Park gesehen und gehen wieder Richtung Eingang. Kurz vor Ausgang erschließt sich mir der Grund der Namensgebung. Ein Platz mit Rutschen, Schaukeln und anderen Spielgeräten steht hier umsonst zur Verfügung. Doch die Tatsache, dass sich auch hier keine Kinder aufhalten macht mich etwas stutzig. Stattdessen schaukeln, wippen und rutschen 30-jährige Männer in Anzughose und Hemd. Meine Kollegen weisen auf ein Karussell. Mit aller Kraft bringe ich das Karussell zum Drehen. Einer meiner Kollegen ist mit eingestiegen. Ich gebe solange Schwung bis er mich anweist zu stoppen. Wir schaffen es geradeso das Gerät zu verlassen und taumeln zu einer Sitzbank.

Freitag, 17. Oktober 2008

Preiszuschlag

17.10.2008

"Endlich Freitag. Freitag?! Wie der Name schon sagt, habe ich heute das erste Mal frei."

Es ist 8 Uhr morgens. Ich bin mitten im Tiefschlaf und habe mich schon gestern Abend auf Ausschlafen eingestellt. Doch irgendjemand hämmert gegen meine Tür. Ich brauche eine Weile, bis ich reagiere. Frühstück. „Das hätte ich ruhig auslassen können.“, denke ich mir und trotte in den Speisesaal. Ich verschlinge einen halben Teller warmen Reis mit Dal und verschwinde wieder im Bett.

13 Uhr. Es hämmert wieder an meine Tür. Mittagessen. Diesmal bin ich froh, dass es was zu essen gibt und verschlinge einen ganzen Teller Reis mit Dal und etwas Gemüse. Das war also mein Freitag. Glücklicherweise nicht ganz. Gerade als ich mich wieder hinlegen will, kommt jemand in mein Zimmer. Spontan wurde entschlossen mit mir einen Ausflug zu machen. Jetzt sofort. Ich deute an kurz duschen zu gehen. Fünf Minuten später stehe ich fertig vor der Tür.

Nach etwa 40 Minuten geht es dann endlich los. Drei Arbeitskollegen und ich verlassen auf zwei Motorrädern das Bürogebäude. Die Fahrt ist relativ lang und ich frage mich, wo es wohl hingehen soll. Auf halber Strecke machen wir eine Pause und trinken einen Tee. Dann geht es weiter. Mittlerweile weiß ich, dass wir nach Paharpur fahren und dass es dort wohl ein Museum geben soll. Das klingt zumindest interessant.

Wir steigen von den Motorrädern und gehen zum Eingang. An der Pforte prangt ein großes Schild mit den Eintrittspreisen. Ich freue mich, dass es so wenig ist und gehe an den Schalter. Ich gebe das Geld durch das Loch in der Scheibe und warte auf meine Karte. Der Mann am Schalter guckt mich etwas fragend an. Er deutet auf meine Arme und sagt: “Bideshi!“. Ich verstehe nicht ganz, was das mit meiner Karte zu tun haben soll und antworte: „Na und?“. Der Mann deutet auf das Preisschild. Ich drehe mich zur Seite und entdecke neben den bengalischen Buchstaben auch englische Wörter. Unter dem Punkt „Foreigners Only“ weicht der Eintrittspreis erheblich von dem normalen Preis ab. Ich soll das Zehnfache bezahlen. Einfach, weil ich Ausländer bin. Ich muss lachen.

Ich gucke meine Kollegen an und frage, ob ich wirklich das Zehnfache des Preises bezahlen muss. Missmutig drehe ich mich wieder zum Schalter und bezahle. Dabei frage ich den Mann an der Kasse, ob ich wenigstens eine persönliche Führung und Tee gereicht bekomme. Mit ernster Miene weist er meine Anfrage ab. Ich weiß nicht genau, was ich davon halten soll und gehe durch den Eingang.

Wir betreten das Museum und ich erfahre endlich, was es mit dem Ort auf sich hat. In dem Museum befinden sich Fundstücke aus der umliegenden, buddhistischen Klosteranlage. Diese Anlage, auch Vihara genannt, steht auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Erst als wir das Gebäude verlassen, sehe ich den großen Schrein einige hundert Meter von dem Museum entfernt. Das Kloster besteht aus einer großen, quadratischen Fläche. Das Zentrum bildet eine Stupa (Denkmal und Zeichen des Buddhismus), die etwa 25 Meter hoch ist. Auf drei Terrassen kann man dieses Hauptheiligtum aus dem 8. Jahrhundert besteigen und bewundern.

Auch wenn der Preis für mich deutlich höher war, hat es sich gelohnt.

Samstag, 4. Oktober 2008

Schwemmland

04.10.2008

"Grüne Reisfelder wohin das Auge reicht. Ich spüre deutlich jedes Schlagloch des holprigen Feldweges – die größte Straße der Umgebung. Die pralle Sonne scheint schon den ganzen Tag. Fahrtwind weht mir ins Gesicht."

Nach knapp 45 Minuten erreichen wir ein kleines Dorf irgendwo in Gaibandha. Es ist Vormittag, dennoch herrscht eine ungeheure Hitze. Wir gehen einen kleinen Pfad entlang. Hohe Bambussträucher säumen den Weg und bilden abseits einen kleinen Wald. In einem kleinen See baden Kinder und Frauen waschen Kleider. Große Konstrukte aus Bambus zum Fischen stehen im See verteilt. Die Pflanzen um uns herum werden weniger und der Weg endet abrupt. Wind weht. Vor uns Klippen aus Erde und ein Meer mitten in Bangladesch. Der Jamuna ist einer der größten Flüsse im Land. Bei Flut ist er an manchen Stellen 14 km breit. Die letzte Flut hat deutliche Spuren hinterlassen. Wo vorher Weg war, ist nun die neue Anlegestelle der Boote. Wir klettern die Klippen herab und besteigen das Boot.

Die Wasseroberfläche spiegelt die Sonnenstrahlen. Den einzigen Schutz bietet ein flaches Dach aus Wellblech in der Mitte des Holzbootes. Wir treiben eine Weile mit der Strömung, bis ein Motor angemacht wird. Weit und breit ist nichts als Wasser zu sehen. Nur am Horizont ist ein kleiner Streifen Land zu erkennen. Der Motor lässt den kompletten Unterbau wackeln. Das Holz sieht alt und teilweise morsch aus. Unter dem Wellblechdach ist es stickig. Wir sind nun schon 30 Minuten unterwegs. Das Dorf und die Anlegerstelle werden immer kleiner. Uns wird versichert, dass wir unser Ziel in der nächsten halben Stunde erreichen.

Mit meinem Taschenmesser fange ich an eine grüne Kokosnuss anzuschneiden. Die Frucht ist schwer und die Milch deutlich hörbar. Nachdem ich das obere Viertel abgetrennt habe, steche ich nur noch die Mitte kurz an. Wir teilen uns den Inhalt. Als ich den letzten Schluck nehme, ist unser Ziel nur noch ein paar Meter vor uns. Eine kleine Insel im großen Fluss. Die so genannten Chars sind Inseln, die während einer Flut fast komplett überschwemmt werden. Auch auf dieser Insel gibt es mehrere Dörfer. Die Menschen hier zählen zu den ärmsten Leuten Bangladeschs, weil nie sicher ist, ob nicht vielleicht das Haus oder die Ernte weggeschwemmt wird. Das Boot legt an und wir betreten die Insel. Der Untergrund ist sandig. Auch einige Meter vom Ufer entfernt ändert sich daran nichts. Trotzdem wird hier versucht Reis und andere Pflanzen anzubauen. Wir schauen uns die Dörfer und die „Flood Shelter“ an, die von NETZ unterstützt werden. Der Flutschutz ist ein Gebäude, das höher als das Dorf liegt und während der Flut nicht überschwemmt wird.

Wir wandern noch ein wenig über die Char. Ich bin in Gedanken versunken. Die Landschaft erinnert mich an Nordseeinseln.

Dienstag, 30. September 2008

Geheimgänge

30.09.2008

"Gebückt steige ich die Treppe hinauf. Um eine kleine Ecke geht es immer weiter nach oben. Licht am Ende des Tunnels. Ich betrete eine kleine Terrasse. Das Sonnenlicht blendet."

Es ist morgens. Zu dritt sitzen wir in einem CNG und fahren Richtung Altstadt. Angekommen treffen wir zwei Bengalen, die regelmäßig Führungen anbieten. Sie hat lange graue Haare, die zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden sind. Er hat auch graues Haar und trägt einen grauen Schnurrbart. „Old Dhaka besitzt noch heute Gebäude aus der Moguln Zeit, die über 400 Jahre alt sind. Unter britischer Krone haben sich viele dieser Gebäude verändert. Meistens wurden sie erweitert oder umgebaut.“, erklären sie uns, bevor wir in eine kleine Seitenstraße einbiegen. Kleine Läden reihen sich aneinander. Viele Geschäfte der „Hindu Street“ verkaufen religiöse Gegenstände.

Wir betreten einen Laden. Es ist ein einziger Raum. Ohne Schaufenster und Tür bildet die Öffnung in der Fassade des mehrstöckigen Gebäudes den Eingang. Trotz des Ventilators und der großen Luftzufuhr ist es heiß. Hinter einem kleinen Tresen hocken zwei Männer. Kleine Vitrinen präsentieren weiße Armreifen, die eine frisch verheiratete Frau traditionell solange trägt, bis der Mann stirbt. Uns wird erklärt, dass der Schmuck aufwändig aus großen Muscheln hergestellt wird. Die Muscheln werden erst in Scheiben geschnitten und aus den einzelnen Teilen entstehen dann Ringe. Diese werden durch schleifen und feilen verschönert und verziert.

Wir verlassen das Geschäft, folgen der Straße und schauen immer wieder in andere kleine Läden hinein. Festschmuck aus Styropor mit Lametta, Hochzeitskronen, Flugdrachen, traditionelle Musikinstrumente, Gebrauchsgegenstände für den Haushalt, kleine Snacks, Tee und Süßigkeiten, Bilder von Göttern in goldenen Rahmen und noch viel mehr wird dicht an dicht angeboten. Wir bleiben vor einer kleinen Nische in der Wand stehen. Auf den ersten Blick kaum merkbar, erkennt man einen Eingang.

Ein langer Flur breitet sich vor und aus. An den Wänden hängen alle paar Meter Glühbirnen, die den Gang in ein warmes Licht tauchen. Die Decke hängt tief und ich muss mich bücken, um vorwärts zu kommen. Um eine Ecke führt eine Treppe steil nach oben. Die Stufen sind schmal und hoch gebaut. Der erste Stock gleicht dem Erdgeschoss - ein langer Gang an dessen Seiten Durchgänge zu erkennen sind. Am Ende des Flures steht eine Tür offen. Ein kleines Zimmer in das gerade so ein Bett passt wird von einer Familie bewohnt. Wir grüßen und besteigen das nächste Stockwerk. Die Treppe ist nicht mehr so hell beleuchtet und jeder Schritt muss wohl gewählt sein.

Zwei Ecken und unzählige Stufen weiter scheint Tageslicht in den Raum. Eine Terrasse eröffnet sich vor uns. Das ehemals vorhandene Dach ist teils abgebrannt. Große steinerne Bögen begrenzen den Vorbau. „Die Bögen sind mehrere hundert Jahre alt und werden von der Regierung kaum beachtet. Es wird gewartet bis alles zerfällt, damit man neue Häuser bauen kann. Wir kämpfen für die Restaurierung und den Denkmalschutz dieser Orte.“ Der Aufwand der Herstellung und die Vorstellung, wie es wohl früher aussah, beeindrucken mich. Wir verlassen das Gebäude und suchen weitere architektonische Überreste der letzten Jahrhunderte.

Sonntag, 28. September 2008

Pflanzenschirm

28.09.2008

"Es gibt nicht viele Orte an die man sich zurückziehen kann. Menschenmengen, Abgasgeruch und Lärm zeichnen den Alltag. Irgendwo weit im Norden, in den Außenbezirken Dhakas findet sich eine grüne Oase."

Ich laufe die „Mirpur Road“, eine der größten Hauptstraßen Dhakas, entlang. Es tröpfelt. Kühler als sonst schwitze ich weniger. Der Smog hängt in meiner Nase. Der Bürgersteig unter meinen Füssen ändert sich stetig. Teilweise muss ich mitten auf der Straße laufen. Ich bin mittlerweile eine halbe Stunde unterwegs. Auf einer großen Kreuzung nehme ich meine Karte zur Hand und überlege, ob ich noch richtig bin. Es gibt wenige Straßenschilder. Eine Tatsache, die mir nicht weiterhilft. Ich müsste ein Drittel der Strecke geschafft haben. Für das letzte Stück nehme ich mir ein CNG. In weniger als 20 Minuten finde ich mich vor zwei großen Eingängen wieder. Auf dem linken Eingang thront ein großer Bogen: „Zoo“. Ich nehme den anderen Eingang und bezahle an einem kleinen Schalter fünf Taka.

Die Geräusche der Großstadt beginnen zu verschwinden, als ich den schmalen, geteerten Weg im Botanischen Garten Dhakas immer weiter geradeaus entlang gehe. Es nieselt. Bäume säumen den Weg. Durch den Wald erkenne ich einen See. Am Ufer liegen zwei Boote und ich werde gleich gebeten mit zu fahren. Ich gehe weiter. Der Rasen besteht aus großen Grashalmen, deren Blätter zu einem Baum gehören könnten. Ein kleiner gepflasterter Pfad führt mich in einen Wald. Alles ist grün. Die Blätter der Baumkronen um mich herum werfen große Schatten auf den Boden. Es ist ruhig. Das einzige Geräusch kommt von den Regentropfen, die auf die Pflanzen prasseln.

Ich bleibe stehen und atme tief durch. Frische Luft. Der Regen wird stärker. Die Tropfen durchdringen die Baumkronen. Ich stelle mich dicht an einen Baumstamm. Es ist nicht mehr ruhig. Plötzlich erfüllt den ganzen Wald ein angenehmer Lärm. Es gewittert. In naher Entfernung steht ein Gebäude. Ich renne durch den Wald und kann mich glücklicherweise unter dem Turm unterstellen. Mit mir haben sich ungefähr zehn andere Menschen, drei Ziegen und ein paar Hühner vor dem Regen gerettet. Es wird dunkel. Hin und wieder erhellen Blitze den Wald. Ich lehne mich an die Wand und beobachte den Regen.

Es dauert fast 45 Minuten als der Regen etwas schwächer wird. Ich halte es für die beste Entscheidung die Chance zu nutzen und zu gehen. Nach einer Weile erreiche ich den Hauptweg. Mit zügigem Schritt bewege ich mich Richtung Haupteingang. Es ist mittlerweile dunkel und es regnet immer noch. Der Weg ist lang und gerade. In der Ferne liegt irgendetwas Großes genau in der Mitte des Weges. Bevor ich mich fragen kann, warum sich jemand bei solch einem Wetter auf den Boden legen sollte, stelle ich fest, dass dort kein Mensch liegt.

Ein Blatt, so groß wie mein gesamter Oberkörper liegt nun direkt vor mir. „Gut, dass es weiterhin regnet“, denke ich und freue mich über meinen neuen Regenschirm.