Herzlich Willkommen auf meinem Blog!


Diese Seite soll mir helfen Euch meine Erfahrungen, meine Eindrücke und meinen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Bangladesch näher zu bringen.

Von September 2008 bis August 2009 arbeite ich zusammen mit NETZ Bangladesch bei der Entwicklungsorganisation Ashrai. In dieser Zeit bin ich in einem Grundbildungsprogramm in der Region um Joypurhat tätig.

Nähere Infos zu dem Projekt findet Ihr "hier".

Ich werde mich bemühen regelmäßig aus Bangladesch zu berichten. Ihr habt zu jedem Post die Möglichkeit Kommentare abzugegen. Solange nicht anders gewünscht, werde ich die Kommentare nach einer Prüfung meinerseits veröffentlichen. Gerne dürft Ihr mir auch auch E-Mails schreiben oder mich auf eine andere Weise kontaktieren.


Peter


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Mittwoch, 8. April 2009

Arbeitssommer

08.04.2009

"Wieder frisch komme ich aus der Dusche. Als ich mich abtrockne, fange ich wieder an zu schwitzen."

Ich war jetzt schon einige Male mit meinem Fahrrad alleine an einer Schule. Heute hat es mich allerdings 15 Kilometer in nördlicher Richtung verschlagen. Es ist kurz nach ein Uhr mittags, als ich das Dorf verlasse. In den letzten zwei Wochen sind die Temperaturen wieder so hoch angestiegen, dass es selbst den deutschen Hochsommer übertrifft. Das lässt die Mittagssonne mich jetzt spüren. Ich will so schnell es geht wieder zurück ins Büro. Endlich duschen. Der Fahrtwind kühlt mich ab. Die meiste Zeit geht es über befestigte Straße und ich komme gut voran. 45 Minuten später bin ich endlich angekommen. Ich merke wie der Schweiß anfängt aus allen Poren meiner Haut zu rinnen. Der kühle Fahrtwind hat seine Arbeit getan. Erst jetzt spüre ich, dass mein Gesicht glüht. Während des Fahrens habe ich nicht gemerkt, wie sich der Sonnenbrand langsam über mein Gesicht verteilt.

Ich steige von meinem Rad und trinke die halbvolle 2-Liter-Wasserflasche in einem Zug leer. Die ungewohnte Tour macht sich schon jetzt in meinen Knochen bemerkbar. Auf den Muskelkater kann ich mich jetzt schon freuen, denke ich, als ich zum Waschbecken wanke und mir Wasser ins Gesicht spritze. Als meine Atmung sich wieder beruhigt, steige ich die Treppen hoch bis in den dritten Stock und schließe die Tür auf. Ich mache sie direkt hinter mir zu und lasse meine Tasche auf dem Bett nieder. Innerhalb der nächsten Schritte ziehe ich meine Hose und mein T-Shirt aus. Dann stelle ich den Ventilator auf die höchste Stufe und stehe eine gefühlte Stunde davor. Irgendwann bewege ich mich dann doch zur Dusche.

Endlich, denke ich noch, als ich die Dusche anmache. Doch aus der Leitung kommt nur heißes Wasser. Die erhoffte Erfrischung bleibt aus. Trotzdem höre ich auf zu schwitzen und bleibe solange unter dem Strahl bis meine Füße und Hände anfangen aufzuweichen. Doch das Wetter meint es nicht gut mit mir. Während ich mich abtrockne, kommt der Schweiß zurück. Mit meinem Handtuch kämpfe ich dagegen an. Ich gebe auf und lege mich auf mein Bett. Es vergeht keine Minute, da schießt es mir durch den Kopf: „Du musst noch Wäsche waschen.“ Ohne Waschmaschine muss ich wohl per Hand waschen. Das bedeutet wieder Arbeit und wieder schwitzen.

Donnerstag, 2. April 2009

Sturmlicht

02.04.2009

"Jetzt fängt es an zu regnen. Also wieder zurück ins Haus, vielleicht kommt der Strom ja bald wieder."

Es ist abends. Ich habe gerade gegessen und sitze nun vor meinem Computer. Der Ventilator brummt im Hintergrund und übertönt fast die Musik, die ich auf volle Lautstärke gedreht habe. Es ist trotzdem ziemlich warm. Den ganzen Tag schien die Sonne und hat meine Wohnung aufgeheizt. Plötzlich schlägt eine der Türen zu. Wie aus dem nichts stürmt es. Die Fenster klappern. Ich schließe sie. Als ich fertig bin fällt der Strom aus. Es ist dunkel und heiß. Ohne Ventilator bleibe ich nicht lange in meinem Zimmer. Da ich um diese Uhrzeit nichts mehr machen kann, vor allem wenn der Strom abgeschaltet ist, trabe ich ein Stockwerk höher. Das Flachdach. Der Sturm ist im vollen Gange. Die frische Luft tut gut.

Blitze erhellen den Himmel rot und Donner schallt von allen Seiten. Der Wind wird stärker und ich muss aufpassen, nicht vom Dach zu fallen. Die Palmen biegen sich in alle Richtungen. Ich genieße die natürlichen Eindrücke. Das Sausen des Windes. Das rot-weiße Licht der Blitze. Den Donner. Alles scheint weit weg zu sein, obwohl es laut ist. Die dunklen Wolken ziehen über den Himmel. Der plötzlich einsetzende Regen zerstört die Atmosphäre ein wenig. Ich stelle mich in den Aufgang zum Dach. Missmutig schreite ich wieder eine Etage tiefer. Es war gerade so gemütlich.

Donnerstag, 26. März 2009

Reisunfall

26.03.2009

"Die Sonne kommt hinter den Wolken her. Bald bin ich wieder trocken."

Morgens geht es los. Das Motorrad läuft schon, als ich mich hinter meinen Kollegen setze. Der Himmel ist grau und es ist nicht besonders warm. Immer noch besser als brüllende Hitze. Wir fahren los. Jetzt ist es doch ein wenig frisch, aber so lange sind wir nicht unterwegs. Nach zwanzig Minuten erreichen wir unser erstes Ziel. Es ist eine kleine Veranstaltung geplant, bei der Leute aus verschiedenen Dörfern teilnehmen sollen. Die Leute sind mehr oder weniger schnell zusammen getrommelt. Während sich die Gruppe zu Fuß auf den Weg macht, fahren wir mit dem Motorrad ins nächste Dorf. Regen setzt ein. Aus dem leichten Schauer wird ein starker Guss. Wir stellen uns bei einem Haus unter, das auf dem Weg liegt.

Die Minuten vergehen und es scheint kein Ende in Sicht. Die Leute aus dem ersten Dorf holen uns ein und warten mit uns unter der kleinen Veranda. Mein Kollege wird ungeduldig. Es sieht so aus, als würde die Veranstaltung später anfangen. Langsam aber sicher wird der Regen weniger. Gerade zur rechten Zeit. Um nicht noch weitere Minuten verstreichen zu lassen, machen wir uns wieder auf den Weg. Ein paar Dörfer weiter ist es geschafft. Alle Teilnehmer sind unterwegs zum Veranstaltungsort. Jetzt nur noch mit dem Motorrad zurück durch die Felder, um auf die Hauptsraße zu gelangen. Von dort aus sind es nur noch ein paar Meter.

Der schmale Pfad zwischen den Reisfeldern wurde durch den Regen aufgeweicht. Es nieselt ein wenig. Behutsam fährt mein Kollege den engen Weg entlang. Die Straße liegt nun fast direkt vor uns. Dann geht es ganz schnell. Das Hinterrad rutscht weg. Ich verliere das Gleichgewicht und versuche mich von dem Motorrad wegzustoßen. Erfolglos. Mit der Seite lande ich im Reisfeld. Meine linke Hand konnte sich gerade noch auf dem Boden abstützen. Das Schlimmste konnte ich verhindern. Trotzdem hat es ganz schön gespritzt. Meine Jeans ist voller Schlamm mein linker Arm auch. Meine Tasche halte ich etwas unfreiwillig triumphierend in die Höhe. Ich schaue auf meinen Kollegen. Ihm ist es etwas schlechter ergangen. Ihn hat das Motorrad voll erwischt. Ich mache einen Schritt in seine Richtung und stemme das Gefährt hoch. Etwas unwohl richtet er sich auf. Verletzungen hat er keine, aber sein ganzer Oberkörper ist voll mit Schlamm. Was für ein Tag. Er flucht. Wir schieben das Motorrad zur Straße. Es springt nicht an.

Es hat aufgehört zu Regen. Die Wolken schieben sich an die Seite. Warme Sonnenstrahlen blenden uns. Welch Ironie.

Montag, 16. März 2009

Umzugslaune

16.03.2009

"Ich lege mich auf den Boden und genieße die Musik, die aus meinem Laptop tönt."

Mit vollen Taschen betrete ich das Büro. Etwas erschöpft komme ich im dritten Stock des Gebäudes an. Ein dickes Schloss hängt an der Tür zur rechten Seite. Mit einer Hand krame ich in meiner Tasche bis ich den Schüsselbund gefunden habe. Die Tür knackt, als ich sie aufschiebe. Ich stelle meine Einkäufe neben das voll gepackte Bett. Der leere Tisch im großen Raum nebenan lässt diesen karg aussehen. Aus meiner Tasche nehme ich die beiden Jutematten und beginne damit sie auszulegen. Eine unter den Tisch, die andere daneben.

Zufrieden betrachte ich das Ergebnis, als ein Kollege hereinkommt und mir sagt, dass sie noch einen Ventilator hätten. Kurze Zeit später schmückt auch dieser mein neues Wohnzimmer. Langsam aber sicher füllt sich der Raum. Es dauert ein paar Minuten, bis ich alle meine Sachen von dem Bett in dem Raum verteilt habe. Nach ein wenig hin und her ist es geschafft. Das Viertel des Raumes sieht gemütlich aus. Kurz denke ich darüber nach, ob man hier wohl Billardtische kaufen kann – für drei Tische hätte ich noch locker Platz.

Es wird langsam dunkel. Zum Glück habe ich an die Glühbirnen gedacht, die ich spätestens in der nächsten halben Stunde brauchen werde. Eine ins Schlafzimmer, eine ins Bad und eine ins Wohnzimmer. Das Glück scheint mich wieder verlassen zu haben, als die Glühbirne in Bad sofort durchbrennt, als ich sie einschalte. Als morgen noch mal los, denke ich etwas missmutig. Trotzdem bin ich zufrieden. Alles von unten in den vierten Stock zu tragen und alles einzukaufen, was ich noch brauchte, hat den ganzen Tag verschlungen. Mittlerweile ist es 18:34 Uhr. Ich entspanne ein wenig, mache Musik an und lege mich auf meinen neuen Teppich. Gerade als ich mich hinlege, fällt der Strom aus.

Samstag, 21. Februar 2009

Muttersprache

21.02.2009

"Die Sprache ist das allerhöchste Gut. Dementsprechend sollte es auch gewürdigt werden."

Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen und schon klopft es an meinem Fenster. Es ist der 21. Februar. Internationaler Tag der Muttersprache. Vor 57 Jahren erklärte die pakistanische Regierung Urdu zur alleinigen Amtssprache. Bangladesch war damals ein Teil von Pakistan. Am 21. Februar kam es zu Protesten in Dhaka. Gegen den Entschluss der Regierung und für die Muttersprache Bangladeschs. Bei den Demonstrationen gab es Tote. Seit der Unabhängigkeit Bangladeschs wird dieser Tag nun gefeiert. Zu Ehren und Gedenken der Märtyrer und zur Erinnerung an den Kampf für die eigene Sprache. Seit 2000 ist es ein offizieller von der UNESCO anerkannter Gedenktag.

Meinen Kollegen muss ich erst einmal erklären, dass wir diesen Tag nicht feiern und dass ich vorher noch nie etwas davon gehört habe. Diese sind daraufhin ein wenig pikiert und belehren mich nochmals, dass es doch ein internationaler Feiertag sei. Dass ich ihrer Tradition trotzdem folge, freut sie wieder und der Missmut über meine Unwissenheit ist schnell vergessen. Doch jetzt muss es schnell gehen. Wir wollen schließlich nicht die letzten sein, die beim Denkmal in der Stadt eintrudeln. Zur Tradition gehört es ein Bouquet vor das Denkmal zu legen. Da ich am meisten Geld für die Blumen ausgegeben habe, wird mein Name als erstes auf dem Arrangement genannt.

Nur fährt man nicht einfach zum Denkmal, nein, man läuft. Barfuß. Von unserem Büro aus wandern wir also los. Es ist früh morgens, die Sonne geht gerade auf und der Boden ist kalt. Winter in Bangladesch. Die einzige Lösung gegen die Kälte heißt: schneller Laufen. Unterwegs begegnen uns viele andere Gruppen. Schulklassen, Mitarbeiter anderer Organisationen und Familien, die sich mit ihrem Blumenarrangement auf den Weg gemacht haben. Glücklicherweise ist der Weg nicht allzu weit, so dass wir nach kurzer Zeit das Denkmal erreichen. Wir sind nicht die ersten und so ist das Denkmal bereits mit Blumen gefüllt. Ehrwürdig steigen wir die Stufen hinauf und platzieren unseren Strauß. Auf der anderen Seite geht es wieder hinunter. Und so schnell wie wir gekommen sind, machen wir uns auch schon wieder auf den Weg zurück zum Büro. Erst frühstücken und dann noch ein wenig schlafen.

Freitag, 13. Februar 2009

Neurad

13.02.2009

"Endlich unabhängig. Endlich wieder ein bisschen Bewegung. Endlich Fahrrad."

Ich muss mich mit meinen Kollegen abstimmen, wenn ich in die Dörfer fahre um zu arbeiten. Am nächsten Tag stelle ich dann meistens fest, dass die Pläne geändert wurden und es nicht so klappt, wie ich es eigentlich geplant hatte. Dabei geht viel Zeit verloren und ich muss mir überlegen, was ich in der Zwischenzeit mache. Die Lösung schwebt mir schon lange im Kopf. Aber auch das braucht Zeit, wie alles in Bangladesch. Heute lasse ich mich nicht von meinem Plan abbringen. Ein Fahrrad muss her. Nach der Arbeit also auf den Markt.

Wie ein Wunder kommt diesmal nichts dazwischen. Eine Reihe von Fahrradläden liegt vor uns. Jeder Laden muss sich natürlich angeguckt werden. Vielleicht kann man ja ein bisschen Geld sparen. Welches Fahrrad ich kaufen werde, ist auch noch nicht geklärt. Fahrradshopping. „Der Ausländer braucht ein gutes Fahrrad“, mit diesem Satz geht es von Laden zu Laden. Mir ist nur wichtig, dass das Rad eine große Klingel und gute Bremsen hat. Doch die Auswahl ist sehr begrenzt. Alle Räder mit mehreren Gängen sagen mir nicht wirklich zu, vor allem weil sie viel zu klein sind. Meine Wahl fällt letztendlich auf das Modell, welches die meisten Bengalen besitzen. Ein Fahrrad chinesischer Art. Ein Gang, keine Rücktrittbremse und eine laute Klingel.

Auf dem neuen Rad geht es auch gleich zurück ins Büro. Unterwegs stelle ich fest, dass die Bremsen noch nicht angezogen sind. Licht hat das Fahrrad auch nicht. Aber nachts will ich ja auch gar nicht fahren. Im Büro wird das Rad erst einmal gesäubert und von oben bis unten geputzt. Ich schraube es einmal komplett auseinander, um sicher zu gehen, dass alles funktioniert. Blitz und blank findet es in meinem Zimmer Platz. Am nächsten Morgen geht es zu einem kleinen Fahrradladen ein paar Meter vom Büro entfernt. Die Reifen werden ordentlich aufgepumpt und die Bremsen werden so fest es geht angezogen. Aus dem benachbarten Laden kommt ein Maler mit mir ins Büro. Auf das Rückblech malt er in schwarzen Lettern „Volunteer“.

Ich bin also endlich stolzer Besitzer eines Fahrrades. Als solcher muss ich süßes Essen ausgeben. Bei jeder größeren Neuanschaffung ist dies eine nette Geste. Bengalische Tradition. Und ich freue mich jetzt schon auf den ersten Einsatz.

Samstag, 7. Februar 2009

Geburtstagsmahl

07.02.2009

"Geburtstag gut überstanden. Mit viel Essen, tollen Geschenken und etwas anderen Traditionen."

Ein bengalischer Geburtstag. Das wird mit Sicherheit interessant. Doch schon meine Gästeliste fällt sehr unbengalisch aus. Normalerweise sollte ich die Leute mit den höheren Positionen im Management meiner Organisation einladen. Davon halte ich allerdings nicht sehr viel und ich lade lieber diejenigen ein, die ich mag. So kommen heute nicht nur drei Kollegen, sondern auch die Hausangestellten, der Koch, der Nachtwächter und der Ladenbesitzer von gegenüber. Das Geburtstagsmenü ist wiederum ganz bengalisch. Es gibt nur das Beste der bengalischen Küche. Polau, eine besondere, mit vielen Gewürzen zubereitete Form von Reis, darf dabei nicht fehlen. Außerdem gibt es Ziegenfleisch, einen teuren Fisch, verschiedenes Gemüse, Salat und natürlich reichlich Nachtisch. Doi und Rosho Golla, zwei regional hergestellte Süßigkeiten.

Die Gäste kommen natürlich größtenteils zu spät. Aber das ist ja auch in anderen Ländern nicht unüblich. Dass ich sie, ohne mich mit meinen Gästen zu unterhalten, warten lasse, entspricht meiner Gastgeberrolle in Bangladesch. Als alle da sind, gibt es Kekse und Äpfel als kleinen Snack vor dem großen Essen. Wieder dürfen meine Gäste warten, ich bleibe in der Küche und sehe zu, dass alles nach Plan läuft. Es vergeht fast eine Stunde, bis ich mich selbst zu meinen Gästen setze. Jetzt kommt die Geburtstagstorte, die mir die Hausangestellten schenken. Ein einziger Klotz aus Zucker. „Happy Birthday to Petar“, prangt auf dem Klotz. Beim Anschneiden muss mir natürlich geholfen werden. Mein Kollege mit der höchsten Stellung führt meine Hand. Ihm gebührt auch die Ehre mich als erstes zu füttern. Ich gebe jedem ein Stück Torte. Mir allerdings gehört immer der erste Biss. Bis ich mein eigenes Stück bekomme, habe ich schon mindestens fünf gegessen.

Nach der Torte bekomme ich auch Geschenke. Neben einigen Geburtstagskarten, einem Block samt Stift und Shampoo, werden mir auch etwas bengalischere Dinge Geschenk. Aus einer kleinen Schachtel hole ich einen matten Glaszylinder mit Rosenmuster und einem runden, goldenen Knauf als Deckel. Als ich die Flasche öffne, muss das Parfüm natürlich gleich an mir getestet werden und ich werde von oben bis unten eingesprüht. Ein etwas stechender Geruch schleicht sich in meine Nase. Ich bedanke mich und öffne ein weiteres Päckchen. Eine kleine Schneekugel kommt zum Vorschein. Die Kugel steht auf einem Geburtstagstortenpodest mit einem „Happy Birthday“-Schriftzug. Zu meiner Verwirrung befindet sich in ihrem Inneren ein Brautpaar. Mein Favorit ist das letzte Geschenk, das ich bekomme. Eine Uhr in Gitarrenform. Der blaue Körper der Gitarre glitzert und sogar die Saiten lassen sich zupfen.

Nun soll es aber endlich Essen geben. Obwohl es viel zu viel ist und jeder mehr als genug bekommt essen alle auf und bekommen noch Nachschlag. Als alle fertig sind, esse ich immer noch. Nicht weil ich wesentlich mehr hatte, sondern aus dem einfachen Grund, dass Bengalen wesentlich schneller essen. Nachdem Nachtisch gibt es noch Tee. Dann sind alle schnell verschwunden. Auch so eine bengalische Angewohnheit. Da die Hausangestellten, der Koch und der Nachtwächter im Büro bleiben, machen wir uns noch einen schönen Abend und lassen den Geburtstag mit Musik, Tanz und Alkohol ausklingen.

Samstag, 31. Januar 2009

Weisheitsgöttin

31.01.2009

"Hätte ich gewusst, dass aus dem geplanten Morgenausflug ein ganzer Tagesausflug wird, wäre ich vielleicht nicht mitgekommen."

Der Nachtwächter klopft ein mein Fenster. Ich öffne und wir unterhalten uns eine Weile. Bevor ich mich von ihm zum Schlafen verabschiede, lädt er mich ein. „Morgen feiern wir eine große Puja. Willst du mit?“, fragt er mich und freut sich dann, als ich zustimme. Es ist sieben Uhr morgens, als es wieder an mein Fenster klopft. Ich wache auf und öffne etwas verschlafen. Ich soll mich beeilen, es ginge gleich los. Also dusche ich mich schnell, ziehe mich an und frühstücke. Zwanzig Minuten später stehe ich startbereit vor dem Büro. Und wie versprochen geht es auch schon los. Das Dorf des Nachtwächters erreiche ich mit der Rickshaw in knapp einer halben Stunde. Er fährt mit dem Fahrrad nebenher. Es ist ein kühler und etwas nebeliger Morgen.

Die Rickshaw hält an der Hauptstraße an. Den Rest gehe ich zu Fuß. Wie versprochen kommen wir auch schon an den ersten Altären vorbei. Ich lasse mir erklären, dass heute zur Göttin der Weisheit gebetet wird. Große Trommeln geben den Takt der Gebete an. Wir beobachten die Szene eine Weile und gehen dann zu seinem Haus. Es ist ein kleines Häuschen aus Lehm mit einem Raum und einer kleinen überdachten Veranda. Das Dach besteht aus Stroh. Seine Frau bereitet gerade den Eingang des Hauses vor. Mit weißer und roter Farbe malt sie Fußspuren vom Altar in ihr Haus, damit die Göttin den Weg findet. Auf dem kleinen Altar vor dem Haus stapeln sich die Schulbücher der jüngsten Tochter. Die Göttin soll ihr zu guten Ergebnissen in der Schule verhelfen.

So wie die Familie des Nachtwächters haben auch die meisten anderen Familien in dem kleinen Dorf einen Altar mit Büchern aufgebaut. Die Lehmwände der Häuser sind bunt verziert und wer es sich leisten kann, hat sogar eine Statue der Göttin. Ich werde an einen großen Platz etwas abseits des Dorfes geführt. Hier soll später das eigentliche Fest stattfinden. Das ganze Dorf hat eine große Statue beschafft. Neben dem Altar ist eine Kochstelle. Das Essen wird erst als Opfergabe vor den Altar gelegt und später von allen gemeinsam gegessen. Doch bis dahin dauert es noch eine Weile. Es sieht ganz danach aus, dass die Zeremonie wohl erst nach dem Mittagessen anfängt. Bis dahin wollte ich eigentlich schon wieder im Büro sein.

Es gibt erst einmal Mittagessen. Zusammen mit dem Nachtwächter esse ich Reis und Fisch. Frau und Kinder müssen warten bis wir fertig sind. Nach dem Essen bietet er mir an, mich ein wenig auszuruhen. Er müsse noch einige Sachen erledigen und das Fest beginnt so wie so später. Also nehme ich auch dieses Angebot dankend an und lege mich auf das einzige Bett der Familie und döse. Als ich wieder aufwache ist es schon fast dunkel. Aber es dauert noch ein paar Minuten, bis der Nachtwächter wiederkommt. Nun geht es endlich zur großen Feier. Und in der Tat haben sich viele Menschen des Dorfes dort versammelt, wo vor ein paar Stunden nur wenige das Fest vorbereitet hatten. Mit lauter Musik und großem Tanz schreitet das Fest voran. Als auch ich aufgefordert werde zu tanzen und der Bitte nachkomme, scheint die Puja ein voller Erfolg zu sein.

Freitag, 23. Januar 2009

Regenschirm und Kokosnuss

23.01.2009

"Es wurde schon wieder gewählt. Diesmal wurden die regionalen Wahlen entschieden."

Schon seit den letzten Wochen flattern überall die schwarz-weißen Plakate. Alle sehen irgendwie gleich aus. Der Name des Kandidaten steht in großen Lettern auf dem Papier sowie der Posten, für den er gewählt werden möchte. Nicht vergessen werden darf das Symbol, das den Kandidaten eigentlich erst bekannt macht. Die Ideen der Werbenden scheint keine Grenzen zu haben. Der eine gibt sich mit einer Ziege zufrieden, für den anderen muss es ein Düsenjet sein. Kokosnuss, Cola-Flasche, Tintenfass, Palme, Ente, Koran, Regenschirm, Bus und Krähe treten auch zum Start an. Viele Menschen gerade in den ländlichen Regionen sind Analphabeten. Die Symbole sind daher die einfachste Lösung, um eine Wahl möglich zu machen, da sie auf den Wahllisten ebenfalls abgedruckt werden.

Es wird ein harter Wahlkampf geführt. Jeden Tag, jede Stunde gibt es eine Kolonne von Rickshaws, die über Megaphone das jeweilige Symbol verkündet, das gewählt werden soll. Auf, neben und unter den Rickshaws die Menschen, die begeisterte Anhänger sind. Ich sitze an meiner Stammteebude und verfolge das Spektakel. Von Zeit zu Zeit düst auch ein Motorradgespann vorbei. Fahnen mit aufgedruckten Symbolen flattern im Fahrtwind und laute Parolen sind gerade noch hörbar, als sie schon wieder verschwunden sind. Ich bekomme meinen Tee. Als Untersetzer dient ein kleiner Zettel. Ich betrachte ihn kurz. Die Kandidatin für den stellvertretenden Posten als Kreisvorsteherin wirbt mit ihrem Symbol der Ente. Das ist mir sympathisch und ich beschließe allen zu raten die Ente zu wählen.

Am Abend des Wahltages stehen die Ergebnisse fest. Meine Ente konnte sich leider nicht durchsetzen. Die Wahl haben die Kokosnuss und der Regenschirm für sich bestimmt.

Freitag, 16. Januar 2009

Sommerfahrt

16.01.2009

"Es wird dunkel und wir kommen etwas erschöpft im Büro wieder an. Ein schöner Tag."

Es ist Freitag. Dementsprechend wird heute nicht gearbeitet. Wir haben frei. Mein Koch, einer der Angestellten und ich wollen eine Fahrradtour machen. Der Koch lädt uns zu sich nach Hause ein. Seine Familie stellt regionale Süßigkeiten her. Also zögern wir nicht lange und beschließen den Ausflug. Jeder bekommt ein Fahrrad und ich fahre nach einem halben Jahr endlich wieder mit dem Rad. Das Wetter könnte nicht besser sein. Die Sonne scheint, aber es ist angenehm kühl. Schnell verlassen wir die asphaltierte Hauptstraße und unser Weg führt uns über die vielen kleinen Pfade, die zwischen den Feldern verlaufen.

Nach knapp einer Stunde erreichen wir das Haus seiner Familie. Es besteht wie die umliegenden Bauten aus Lehm und Stroh. Er erzählt, wer alles in seiner Nachbarschaft wohnt und dass eigentlich alle irgendwie miteinander verwandt sind. Ein großer Teich findet sich hinter dem Haus und alles ist umringt von Bäumen. Eine Lehmmauer umschließt den Innenhof. Auf der Veranda steht sein Vater vor einer großen Pfanne. In der Pfanne schmoren einige frische Süßigkeiten, die in Deutschland eher süßem Gebäck gleichen als die uns bekannten Naschereien.

Von der Stadt sieht man nichts mehr. Alles ist umgeben von Feldern. Jeder geht gelassen seiner Arbeit nach. Das angenehme, schöne Wetter macht die Idylle perfekt. Wir bekommen Mittagessen und zum Nachtisch gibt es natürlich selbst gemachte Süßigkeiten. Wir dürfen uns noch ein wenig entspannen, bevor wir die 14 Kilometer zurück nach Joypurhat fahren.

Dienstag, 6. Januar 2009

Kochstunde

06.01.2009

"Die Portion war zu groß für einen alleine. Zumindest hatte ich mal ein anderes Abendessen."

Selber kochen? Wozu hat die Organisation denn einen Koch angestellt? Andererseits bedeutet das auch, dass ich selbst bestimmen kann, was es gibt. Mein Vorschlag wird begeistert angenommen. Ich koche und die anderen, die auch im Haus wohnen, dürfen sich bekochen lassen. Nachdem ich herausgefunden habe, was alles in der Vorratskammer ist, steht der Entschluss fest. Es gibt Kartoffelbrei und Spiegelei. Ich zeige auf die Kartoffeln und sage, dass ich fünfzehn Stück brauche. Der Koch guckt mich etwas verwundert an. „So viele Kartoffeln, für drei Leute!?“, sprudelt es aus ihm heraus. Die Kartoffeln sind nicht sehr groß, viel ist es eigentlich nicht.

Die Kartoffeln sind geschält und das Wasser kocht. In einem anderen Topf brate ich Zwiebeln an und gebe nach und nach weiteres Gemüse hinzu. Die Kartoffeln sind fertig und ich fange an, sie mit der Gabel zu stampfen. Es dauert eine Weile, bis wirklich alle Kartoffeln zu Brei geworden sind. Jetzt das gebratene Gemüse mit dem Kartoffelbrei vermischen. Langsam bekomme ich Hunger, weil wir erst sehr spät angefangen haben. Der anhaltende Stromausfall macht es nicht leichter, das Essen anzurichten. Nur noch das Spiegelei obendrauf und der erste Teller ist fertig. Strahlend rufe ich die anderen.

Doch der Blick sagt eigentlich alles. Einen Kommentar können sie sich trotzdem nicht verkneifen. „Kein Reis?! Das ist kein Essen. Du bis verrückt geworden.“ Etwas missmutig sitzt der Koch vor seinem Teller. Nach einer Minute schiebt er den Teller weg. Er steht auf und murmelt etwas wie: „Ich koche Reis.“ Die beiden sind verstimmt, weil sie Hunger haben. Also sitze ich alleine vor meinem Gericht. Als ich fast alles aufgegessen habe, kommen sie zurück. Sie möchten probieren. „In der Not frisst der Teufel Fliegen“, denke ich, als beide langsam zur Gabel greifen. Und als hätte ich es nicht vorher gewusst, es schmeckt. Beide teilen sich die Reste und nehmen sich dann noch eine ordentliche Portion Reis. Ganz ohne geht halt doch nicht.

Mittwoch, 26. November 2008

Morgensonne

26.11.2008

"Vor mir ein kleiner See. Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen. Die hellen Strahlen fühlen sich gut an. Ein warmer Strom fährt durch meinen Körper."

Eigentlich wollte ich das Interview gestern führen. Aber es war zu spät. Jetzt muss ich früh morgens in das Dorf, bevor die Leute anfangen zu arbeiten. Es dämmert leicht. Verschlafen setze ich mich auf das Motorrad. Der Fahrtwind ist kälter als sonst. Ohne einen Schal und nur mit einem dünnen Pullover ist die gefühlte Temperatur noch niedriger. Nebel bedeckt die Felder. Kaum jemand ist unterwegs. Nur vereinzelt sieht man Menschen die Straße entlang gehen. Selbst die Läden haben so früh noch nicht auf. Ein warmer Tee wäre jetzt gut, denke ich mir, als wir einen kleinen Markt passieren. Wir sind eine ganze Weile unterwegs, bevor wir das Dorf erreichen, in dem ich schon gestern war.

Wir halten an und müssen das kleine Stück von der Straße zu den Häusern zu Fuß laufen. Auch die Dorfbewohner sind gerade aufgestanden. Frauen holen Wasser von einem Brunnen oder spülen die gerade benutzten Töpfe an einer Wasserstelle. Hier und da sieht man Leute mit einem kleinen Ast in der Hand. Das eine Ende aufgeribbelt, um auch die Zahnlücken zu säubern. Alles ist ruhig. Die einzigen wahrnehmbaren Geräusche kommen von den Tieren. Kühe, Hühner und Ziegen geben regelmäßig Laute von sich.

Wir warten ein paar Minuten auf die Leute, mit denen ich sprechen will. Als alle versammelt sind, setzen wir uns in einen Kreis. Ich hole mein Notizbuch aus meiner Tasche und fange an Fragen zu stellen. Zum Glück ist mein Kollege dabei, um mir beim Übersetzen zu helfen. Erst als die Bewohner unter sich in ihrer eigenen Sprache sprechen, versteht auch er nichts mehr. Es vergeht fast eine Stunde, bis ich alle Informationen habe, die ich brauche. Ich bedanke mich, vor allem dafür, dass sich alle so früh morgens Zeit genommen haben. Es ist 7:12 Uhr. Jetzt kann der Tag beginnen, denke ich, als wir zurück zum Motorrad gehen.

Sonntag, 23. November 2008

Wettbewerbsrichter

23.11.2008

"Blume oder Haus und Kuh? Ich entscheide mich für die Blume. Die anderen sind begeistert und stimmen mir zu."

Einmal im Jahr soll in Schulfest veranstaltet werden. Das Schuljahr endet gerade für die Erstklässler. Wir sind auf dem Weg in eines der umliegenden Dörfer. Fünf Klassen sollen sich heute hier treffen. Die Sonne scheint und es ist etwas wärmer als in den letzten Tagen. Die Reisfelder sind mittlerweile nicht mehr so grün, dennoch gibt der Dorfplatz eine schöne Atmosphäre. Wir kommen mit dem Motorrad an. Eltern und Lehrer sind noch mit dem Aufbau beschäftigt. Alles erstrahlt in bunten Farben. Alle Kinder sind auch schon da und ein paar Leute aus den umliegenden Dörfern tragen Bauchläden und verkaufen Nüsse und andere Süßigkeiten.

Unter einer bunten Plane wird ein langer Tisch aufgebaut. Dahinter Stühle, für geladene Gäste, Mitarbeiter und Lehrer. Neben dieser Bühne hat jede Klasse einen kleinen Stand, an dem die Schüler Gebasteltes und Tonarbeiten vorstellen. Der Platz füllt sich langsam. Immer mehr Menschen kommen und ich mir kommt es vor, als wäre dieses Schulfest eine richtige Großveranstaltung. Auch ich schlendere zwischen den Ständen umher. Mit ein paar Erdnüssen in der Hand sehe ich mir die vielen Arbeiten der Kinder an. Ich mache Bilder und unterhalte mich mit den Kindern und den Lehrern.

Aus einem großen Lautsprecher, der provisorisch in einem Baum auf gehangen wurde, schallt erst lautes Rauschen und dann eine Stimme. Die Kinder um mich herum bewegen sich auf die Bühne zu und setzten sich auf den Boden davor, der mit Planen bedeckt ist. Eine Lehrerin weist mir an mitzukommen. Ich werde auf einem der Stühle hinter dem langen Tisch gesetzt. Ein Mitarbeiter fängt wieder an über den Lautsprecher zu reden. Die Rede dauert einige Minuten. Alle Kinder hören gespannt zu und verfolgen das Ereignis unerwartet leise. Das Mikrophon wird weitergereicht. Diesmal ist die Rede etwas länger. Ich verstehe kaum ein Wort. Dann aber höre ich meinen Namen. Mein Kollege streckt mir das Mikrophon entgegen. „Sag irgendwas. Auch auf Englisch, wenn du willst.“ Etwas verdutzt überlege ich, was ich sagen könnte. Ich schüttele mir ein paar Worte aus dem Ärmel und hoffe damit meiner Aufgabe genüge zu tun, von der ich bis gerade noch nichts wusste.

Nach zwei weiteren Reden fängt das Fest nun endlich an. Mal-, Tanz- und Gesangswettbewerbe zwischen den Klassen bilden das Rahmenprogramm. Ich bin jetzt Wettkampfrichter. Auch das hat mir mein Kollege gerade erst gesagt. Gesagt, getan. Jede Vorführung wird bewertet. Komischerweise ist mein Favorit gleichzeitig der Favorit aller anderen Juroren. Die Kinder vor allem die Mädchen haben sich besondere Kleider angezogen oder sind geschminkt. Alle sind mit vollem Einsatz dabei und man sieht ihnen an, dass sie den Wettbewerb für sich entscheiden wollen.

Als letztes kommt der Malwettbewerb. Zehn Minuten hat jedes Kind, das mitmachen will. Die meisten Schüler malen ihr Zuhause oder die Umgebung. Vögel, Kühe, Ziegen und andere Tiere bilden sich ab. Die bengalische Fahne ist fast auch immer dabei. Ein paar Minuten später liegen alle Bilder auf dem langen Tisch. Alle beraten sich, aber unter den letzten zwei Bildern darf ich die große Entscheidung fällen. Nach bestem Gewissen wähle ich eins aus, um den Sieger zu bestimmen.

Mittwoch, 19. November 2008

Arbeitsmoral

19.11.2008

"Ich sitze wieder alleine vor meinem Laptop. In einer Stunde ist Feierabend. „Den Rest schaffe ich wohl nicht mehr.“, denke ich."

Die kurze Mittagspause nach dem Essen vergeht schneller als man denkt. Ich stehe auf. Ein Windstoß lässt mich erzittern. Die Sonne scheint zwar, aber die Temperaturen sind deutlich gesunken. Ich setze mich wieder auf den schmalen, grünen Plastikstuhl vor dem Schreibtisch. Ich schalte meinen Rechner ein. Mein Blick schweift über die vielen Zettel und Papierstapel vor mir. Ich überlege, womit ich beginnen soll. Nachdem ich meine E-Mails abgerufen habe, öffne ich den Schulbericht, der fast fertig ist. Ich beginne zu tippen.

Durch mein Fenster hat man einen guten Blick auf das Nachbargebäude. Erst gestern sind wieder 30 Leute angekommen, die hier zwei Tage lang geschult werden. Es wird laut. Stimmen sind zu hören und ich drehe mich um. Alle Teilnehmer stehen nun vor dem Gebäude, bekommen Tee und Kekse und gönnen sich eine Pause. Ein Kollege kommt in mein Zimmer und fragt, ob ich auch etwas möchte. Die Einladung auszuschlagen wäre unhöflich, also folge ich ihm nach draußen. „Schnell den Tee trinken und dann wieder an die Arbeit.“, sage ich mir. Zehn Minuten später bin ich wieder in meinem Zimmer. Um mich herum ein paar andere Leute, die mir gefolgt sind.

Interessiert beobachten alle, wie ich am Computer arbeite. Dann traut sich jemand und spricht. Ich lasse meine Arbeit wieder ruhen und beantworte die üblichen Fragen. Jetzt, da alle wissen, wie ich heiße, was ich mache, wo ich herkomme und was meine Eltern beruflich machen, kann ich mich wieder der Arbeit widmen. Bleibt nur noch eine Frage: „Wie funktioniert das? Kannst du mir das zeigen?“ Der Mann, vielleicht Ende zwanzig, meint den Laptop. Das Internet, Word, Excel, PowerPoint, einfach alles, was man machen kann. Er wüsste davon nichts und ich könne ihm das doch zeigen. Es dauert eine Weile, bis ich es schaffe ihm zu erklären, dass alles etwas komplexer ist, als er sich das vielleicht gerade vorstellt. Ich verspreche ihm, mir ein anderes Mal Zeit zu nehmen.

Die Leute verlassen mein Zimmer. Jeder bedankt sich mit einem Handschlag. Einige entschuldigen sich für die Störung und ich behaupte, sie hätten nicht gestört. Noch ein Photo als Erinnerung und ich bin wieder allein. Bald ist Feierabend.

Donnerstag, 13. November 2008

Schulbesuch

13.11.2008

"Es ist inzwischen Nachmittag. In zwei Stunden wird es dunkel und wir machen uns mit dem Motorrad wieder auf den Weg ins Büro."

Kühler Fahrtwind bläst mir ins Gesicht. Ich sitze auf dem Motorrad. Es ist früh morgens. Über holprige Straßen und Wege entfernen wir uns immer weiter von der Stadt. Die Sonne ist schon vor ein paar Stunden aufgegangen. Das warme Licht taucht die umliegenden Reisfelder in ein strahlendes Grün. Wir erreichen einen kleinen Ort. Die wenigen Steinhäuser stechen zwischen vielen Hütten aus Bambus und Wellblech heraus. Alle Gebäude stehen dicht an dicht. Obwohl es noch früh ist, sind bereits sehr viele Menschen unterwegs. Wir halten an einer kleinen Hütte. Drei Kessel stehen auf einem Lehmofen. Ich bestelle zwei „lal cha“. Ein einfacher Tisch aus Holz dient als Tresen. Der Mann dahinter fängt mit der Zubereitung an. Auf einer kleinen Bank vor dem Laden lassen wir uns nieder.

Fünf Minuten später geht es weiter. Nach ein paar Metern biegen wir von der Straße ab. Der Feldweg führt direkt an Eisenbahnschienen entlang. Die Fahrt mit dem Motorrad ist beschwerlich, dauert aber zum Glück nicht so lange. Wir halten wieder und ich steige ab. Ein paar Meter hinter den Schienen gehe ich einen kleinen Pfad entlang. Die Reisfelder neben mir führen so weit das Auge reicht. Der Weg mündet in einem Dorf. Die einfachen Hütten bestehen aus Lehm. Die meisten haben ein Wellblechdach. Zwischen ihnen stehen vereinzelt Kühe und Ziegen.

Ich erreiche das Schulgebäude. Wir betreten den einen Raum, aus dem die Schule besteht. Alle 30 Kinder stehen auf und begrüßen uns mit: „Nomoshkar!“ – der Begrüßung der Hindus. Der Lehrer steht vorne an der Tafel. Wir erwidern den Gruß und setzen uns auf den Boden, der mit Jutematten abgedeckt ist. Auch die Kinder setzen sich wieder. Die Kinder gucken mich mit neugierigen, großen Augen an. Alle fragen sich, was ich wohl hier mache. In einer Vorstellungsrunde soll sich das Geheimnis lüften. Die Schüler stehen einzeln auf und sagen ihren Namen und ihr Alter. Viele reden so schnell, dass ich kaum etwas verstehe. Die meisten sind schüchtern und wollen sich daher schnell wieder setzen. Jetzt stelle auch ich mich vor. Mein bengalischer Wortschatz reicht für die einfachen Sätze und die Kinder sind von meinem Können überrascht.

Ich begebe mich in den hinteren Teil des Klassenzimmers und setze mich zwischen zwei Schüler. Mein Kollege muss wieder fahren und wird mich erst mittags wieder abholen. In den nächsten Stunden verfolge ich den Unterricht. Neben Bengalisch, Mathe und Unweltkunde wird auch Englisch unterrichtet. Das bengalische Alphabet unterscheidet sich stark von unserem lateinischen. Die Erstklässler müssen beide lernen. Eine Schülerin liest laut einfache Wörter und Sätze vor. Die Antwort bildet ein Chor von Kinderrufen, die das Gelesene nachsprechen. Ich mache Bilder und Notizen in ein kleines Heft.

Es ist mittlerweile halb eins und die Schule ist vorbei. Ich begleite noch zwei Schüler zu ihrem Haus. Der Weg führt mich über schmale Pfade durch die grünen Reisfelder. Die Mittagssonne scheint und es ist heiß. Die Häuser der Familien bestehen aus einem einzigen Raum. Auf manchen Höfen findet sich ein Brunnen, eine Latrine muss von mehreren Familien geteilt werden. Zusammen mit meinem Kollegen, der inzwischen wieder gekommen ist, rede ich mit den Schülern. Sie erzählen mir, was sie werden wollen, welches Fach sie am liebsten mögen und was sie gerne Essen. Ich erfahre, was ihre Eltern beruflich machen und ob noch mehr Familienmitglieder in der Hütte wohnen. Die Mütter kümmern sich oft um den Haushalt und die meisten Väter sind Tagelöhner in der Feldarbeit. Mit einem täglichen Einkommen von etwa einem Euro haben die meisten Familien oft nicht genug Geld, um den täglichen Hunger zu stillen. „Besonders schlimm sind die Monate, in denen es keine Arbeit gibt“, erzählt mir der Vater eines Schulkindes.

Freitag, 31. Oktober 2008

Wurzelfahrt

31.10.2008

"Es wird langsam dunkel. Wir müssen uns beeilen. Der kleine Pfad ist von Bäumen umgeben und wir rasen über die holprigen Wurzeln."

Ich stehe auf. Es ist schon fast Nachmittag und nach einer kalten Dusche esse ich erst einmal zu Mittag. Als ich fertig bin, kommt ein Kollege in den Raum. „Auf geht’s!“ Ich überlege kurz, wohin wir wohl gehen. Mit der Tasche aus meinem Zimmer geht es erstmal nach draußen. Vor dem Büro warten bereits drei andere Mitarbeiter. Heute ist Freitag. Sie sitzen startklar auf dem Motorrad. Jetzt muss ich doch wissen, wohin es geht. „Alta Dikhi.“ Wo auch immer das sein mag. Ich gehe noch mal zurück und hole einen Helm.

Der Fahrtwind bläst unter dem Visier Luft in mein Gesicht. Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs. Die Straße wird immer schlechter. Große Schlaglöcher machen ein zügiges Vorrankommen unmöglich. Trotz der schlechten Straßenverhältnisse sind viele Leute unterwegs. Große Laster, einfache Rickshaws, Motorräder und Fußgänger verteilen sich über die Fahrbahnen, die nicht eingeteilt sind. Wir biegen ab. Aus dem asphaltierten Weg mit Löchern wird ein Pfad ohne irgendeine Behandlung. Die Löcher bleiben auch hier nicht aus. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Als Beifahrer nicht gerade angenehm, versuche ich mich auf die Landschaft zu konzentrieren. Die weiten Reisfelder. Die großen Bäume mit ihren Wurzeln, die überall wachsen. Der blaue Himmel und die Sonne, die ihr warmes Licht auf die Erde wirft.

Wir kommen in einen Wald. Die Wege werden enger. Vor uns tut sich ein See auf. Die Ruhe wird nur durch unsere Motorräder gestört. Jetzt erfahre ich, dass es sich um ein Naturschutzgebiet an der indischen Grenze handelt. „Gut, dass wir mit dem Motorrad den See umrunden.“, denke ich, als ich von dem Status des Gebietes erfahre. Wir halten an. In der Ferne sieht man den Zaun, den Indien gebaut hat, um illegale Einwanderer fernzuhalten. Ein Mann, den wir zufällig treffen, erwähnt einen Grenzstein in der Nähe. Mit einem Fuß in Indien machen die anderen Scherze, dass ich gleich verhaftet werde.

Es ist spät geworden und wir wollen das Büro nicht im Dunkeln erreichen. Die vielen kleinen Wege in den Wäldern bereiten uns Schwierigkeiten den Rückweg zu finden. Die Sonne geht unter.

Mittwoch, 29. Oktober 2008

Dorfkultur

29.10.2008

"Die Menge bricht in einen lauten Jubel aus. Wenige Augenblicke später ist das Spektakel vorbei. Wir machen uns wieder auf den Weg ins Büro."

„Es kommt jemand aus Europa, kennst du die Frau?“ Ich gucke etwas verwundert. Die Vermutung liegt erstmal nahe, denke ich mir. So groß ist die Welt ja nicht. Ich bringe in Erfahrung, dass die Frau aus den Niederlanden kommt. Ich kenne sie also vermutlich nicht. Aber ich bin gespannt, wer sie ist und was sie macht. Bisher habe ich noch keinen Ausländer in Joypurhat getroffen und die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen auf der Straße treffe, ist sehr gering. Es ist mittlerweile Abend und ich habe sie immer noch nicht getroffen.

„Die haben sich verschiedene Projekte und Dörfer angesehen. Jetzt läuft ein kulturelles Programm. Willst du dahin?“, fragt mich ein Kollege. Das klingt doch interessant. Spontan entschließe ich, zusammen mit ihm auf dem Motorrad in das Dorf zu fahren. Es ist dunkel und kalt. Er leiht mir eine Jacke und wir fahren los. Nach zehn Minuten erreichen wir ein kleines Dorf an einer Straße. Die Bewohner gehören zu der indigenen Bevölkerung, die in dieser Region leben. Sie unterscheiden sich besonders durch ihre Kultur und Religion von den meisten anderen Menschen Bangladeschs. Ein großer Scheinwerfer beleuchtet einen kleinen Platz vor einer Hütte. Ein Tisch und drei Stühle stehen frei, obwohl sich schon eine große Menschenmenge angesammelt hat. Daneben zwei Bänke. Ebenfalls leer.

Aus einen anderen Hütte kommen mehrere Menschen. Eine Schleuse bildet sich und die Personen setzten sich auf die Bänke und die Stühle. Unter ihnen auch die Frau aus den Niederlanden. Das Kulturprogramm beginnt. Ein Sprecher des Dorfes kündigt eine Gruppe an. Es wird gesungen und getanzt. Ich stehe hinter der Menschenmasse und gucke über ihre Köpfe hinweg. Als sie mich bemerken, werde ich nach vorne gedrängt und ich muss mich mit auf die Bank setzen. Zwar habe ich nun einen Sitzplatz in der ersten Reihe, aber die Situation ist erstmal etwas unangenehm, wenn alle anderen stehen müssen. Das Programm geht weiter. Verschiedene Bewohner des Dorfes führen Tänze vor oder singen. Begleitet durch Trommeln, einheimischen Instrumenten, Blattpfeifen, Bambusflöten und kleinen Schellen und Rasseln bricht die Menge in ein Klatschen aus. Die Stimmung steigt und jedes Lied wird tatkräftig von der Masse unterstützt.

Nach 40 Minuten ist das Programm vorbei und keine fünf Minuten später hat sich alles in Luft aufgelöst. Die Niederländerin konnte ich nicht kennen lernen.

Montag, 27. Oktober 2008

Schlammschlacht

27.10.2008

"Ich sehe meine Schuhe nicht mehr. Braun und braun deckt sich halt sehr gut. Mit meinen Füßen taste ich den Boden ab und werde fündig."

Ich gucke aus meinem Fenster. Es regnet immer noch. Schon seit gestern kommen Unmengen an Wasser herunter. Eigentlich hatte ich heute geplant eine Schule zu besuchen. Ich mache mich auf ins Bad und dusche erst einmal. Die ganze Zeit im Büro sitzen und am Computer arbeiten ist auch nicht das Wahre. Ich frühstücke. Es ist kurz vor zehn, als durch meine scheibenlosen Fenster keinen einzigen Regentropfen vom Himmel fallen sehe. Nur vom Dach und von den Bäumen tröpfelt es gelegentlich.

Ich gehe vor das Büro, um mir selbst ein Bild zu machen. Es hat wirklich aufgehört. Zwei Kollegen kommen mir entgegen und fragen mich, ob ich mit ins „Field“ käme. Ich muss ein wenig nachdenken. Es ist immer noch nass und kalt ist es hier inzwischen auch. „Wir nehmen ein Auto.“, sagt der eine und überzeugt mich mit seinen Worten. Ich bin noch nie mit dem Auto in die Dörfer gefahren und denke mir, dass ich so zumindest nicht nass werden kann.

Im Dorf angekommen sollte ein anderer Umstand meinen semi-genialen Plan durchkreuzen. Die Wege im Dorf sind nicht geteert. Auch wächst auf den viel benutzen Pfaden kein Gras. Der Regen tat sein Übriges. Der vorher gut begehbare, passable Untergrund verwandelte sich in ein Meer aus Schlamm und Pfützen. Die zu besuchende Schule liegt tief im Dorf innern. Ich krempele meine Hose hoch und bewege mich so vorsichtig wie möglich durch den Schlamm. Eine Zeit lang schaffe ich es ohne Probleme mich fortzubewegen, als mein linker Fuß von einer kleinen Erhöhung abrutscht und tief im Matsch versinkt. Mit äußerster Kraftanstrengung ziehe ich meinen Fuß aus dem Schlamm und muss feststellen, dass meine Hose, die ich heute Morgen frisch angezogen hatte, schon jetzt beträchtliche Flecken aufweist.

Ich erreiche den Punkt, an dem es mir egal ist, wie meine Hose oder meine Schuhe aussehen und stiefele jetzt nur noch so schnell wie möglich auf die Schule zu. Angekommen bereue ich diesen Entschluss, weil mir nun eineinhalb Stunden Schule bevorstehen. Im Klassenraum mache ich gute Miene zum bösen Spiel und überspiele mein Unwohlsein. Ich begrüße die Kinder und ein jeder stellt sich vor. Nach Bengalisch kommt Mathe. Ich darf sogar die Aufgaben der Kinder auf den Schiefertafeln abzeichnen. Ich komme mir allerdings etwas dumm vor, weil ich vermutlich länger für die schriftliche Multiplikation brauche als die Drittklässler. Die bengalischen Zahlen sind anders und so sieht beispielsweise eine „4“ aus wie unsere acht und eine „7“ sieht aus wie unsere neun.

Ich bin froh, als wir die Schule wieder verlassen. Meine Schuhe sind in der Zwischenzeit im Boden versunken. Glücklicherweise kann ich am Brunnen die Schuhe und mir meine Füße waschen. Gerade als ich mich wieder sauber fühle, fällt mir der Rückweg ein.

Freitag, 24. Oktober 2008

Kinderpark

24.10.2008

"Alles dreht sich. Die aufkommende Übelkeit macht meinem Magen zu schaffen. Ich muss lachen und setze mich."

Es ist früher Nachmittag. Ich habe frei und zu dritt machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel ist zu Fuß erreichbar. Nach ein paar Minuten sind wir da. Ich kaufe drei Eintrittskarten und wir betreten den Park. „Shishu Uddan“ steht auf dem Ticket. „Shishu“ bedeutet Kinder.

Ein langer Weg führt uns an einem See vorbei. Auf der anderen Seite fahren Leute Tretboot. Angepflanzte Bäume schmücken den Park und Tierfiguren aus Plastik sind alle paar Meter aufgestellt. Es ist ruhig und wir spazieren eine Weile. Wir umrunden den See und durchlaufen einen Gang aus Kletterpflanzen. Uns kommen immer wieder Leute entgegen. Meisten Männer. Kinder habe ich bisher noch nicht gesehen und ich frage mich, warum der Park dann so heißt.

Ein zweiter See erstreckt sich vor uns. Der schmale Weg neben dem See ist auf der anderen Seite durch eine Mauer begrenzt. Die Bäume stehen hier nicht mehr in einer Reihe. Ich stolpere über eine der Wurzeln, kann mich aber fangen und falle nicht. Meine Kollegen amüsieren sich und machen Bilder.

Nach etwa 45 Minuten haben wir fast den ganzen Park gesehen und gehen wieder Richtung Eingang. Kurz vor Ausgang erschließt sich mir der Grund der Namensgebung. Ein Platz mit Rutschen, Schaukeln und anderen Spielgeräten steht hier umsonst zur Verfügung. Doch die Tatsache, dass sich auch hier keine Kinder aufhalten macht mich etwas stutzig. Stattdessen schaukeln, wippen und rutschen 30-jährige Männer in Anzughose und Hemd. Meine Kollegen weisen auf ein Karussell. Mit aller Kraft bringe ich das Karussell zum Drehen. Einer meiner Kollegen ist mit eingestiegen. Ich gebe solange Schwung bis er mich anweist zu stoppen. Wir schaffen es geradeso das Gerät zu verlassen und taumeln zu einer Sitzbank.

Montag, 20. Oktober 2008

Teeweisheiten

20.10.2008

"Ich sitze auf einer schmalen Holzbank. Den überdachten Sitzplatz wärmt ein kleines Feuer. Eine Glühbirne erhellt den kleinen Ort am Straßenrand."

Es wird langsam dunkel. Ich mache Feierabend und schalte mein Laptop aus. Mit Handy und etwas Geld in der Tasche schließe ich mein Zimmer mit einem kleinen Schloss ab. Ein Arbeitskollege kommt mir entgegen. Ich frage ihn, ob er mit raus geht. Zusammen verlassen wir das Bürogebäude. Die Straßenlaternen beleuchten den kleinen, geteerten Weg sehr spärlich.

Wir passieren einen kleinen Laden. Der Besitzer grüßt mich und ohne anzuhalten erkundige auch ich mich nach seinem Befinden. Einige Meter weiter teilt sich die Straße und wir steuern auf eine Teebude zu. Ein kleiner Tresen mit Keksen, Süßigkeiten, Pan und Zigaretten bildet die Front des Ladens. Wir schieben uns am Tresen vorbei und setzen uns auf eine Holzbank dahinter. Vor uns ein Tisch, der auf dem erdigen Untergrund etwas schief steht. Die Bude begrenzt ein Gerüst aus Bambus, das mit Wellblech bedeckt ist.

Zwei Gläser Wasser werden vor uns abgestellt. Ich nehme einen Schluck. Das Brunnenwasser schmeckt eisenhaltig und ich stelle das halbvolle Glas wieder ab. Wir bestellen zwei „Lal Cha“. Das ist roter Tee. Es gibt in den meisten Läden nur eine Teesorte. Trotzdem gibt es viele verschiedene Varianten. So kann man neben dem normalen, roten Tee auch Tee mit Kondensmilch, Tee mit Ingwer, starken Tee, halben Tee (etwas schwächer) oder Limonentee bestellen.

Auf einem kleinen Ofen stehen drei Teekessel. Der Ladenbesitzer nimmt den einen Kessel und füllt ein Teeglas halbvoll mit kochendem Tee. Das kochende Wasser aus dem zweiten Kessel, lässt er durch ein Sieb mit Tee laufen und füllt so die Gläser auf. Neben Zucker kommt immer noch ein Stückchen Ingwer in den Tee. Der Tee wird einmal umgerührt und landet dann vor uns auf dem Tisch.

Wir sitzen noch eine Weile in der kleinen Bude, knabbern an einem Keks und unterhalten uns.